Fluechtlingshilfe

 Gebetraum auf Benjamin Franklin


Nach sechsmonatigem Umbau wurde am Freitag, den 13. Mai 2016 der neue Gebetsraum feierlich im Zeichen der Religionen eingeweiht. Hier einige Impressionen:

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Unser kirchliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit

 

Als Kirche stehen wir an der Seite der Notleidenden und Hilfsbedürftigen. Die große Zahl von Flüchtlingen in unserer Stadt sehen wir als zweifache Aufgabe. Es gilt konkret zu helfen und zu einem guten Miteinander in unserer Stadt beizutragen. Viele Gemeinden sind vor Ort in und um die nunmehr vier Unterkünfte engagiert. Wir sind dankbar für die zusätzlichen Mittel, die unsere Landessynode i.H.v. 11 Mio.  Euro für die nächsten drei Jahre für dieses Engagement zur Verfügung stellt. Das ermöglicht es auch uns in Mannheim, das Engagement vor Ort mit Personal-  und Sachmitteln wirkungsvoll zu unterstützen.

Unser Engagement konkretisiert sich auf vier Ebenen:

1. Rechts und Verfahrensberatung in den Unterkünften. Hier sind Diakonie und Caritas gemeinsam präsent. Die Beratung wird durch Mittel des Landes Baden-Württemberg refinanziert.

2. Ehrenamtlichem Engagement rund um die Unterkünfte. In den umliegenden Gemeinden haben sich Unterstützungsgruppen gebildet, die sich In Gemeindehäusern treffen und vielerlei Angebote machen. Eine wichtige Aufgabe ist die Koordination und Steuerung der Angebote.

3. Seelsorge. Viele Geflüchtete haben Furchtbares erlebt. Sie sorgen sich um zurückgebliebene Verwandte und trauern um die vielen Toten. Im ökumenischen Miteinander der christlichen Kirchen bieten wir Seelsorge für die schätzungsweise 10-15% Christen an. Gemeinsam mit unseren muslimischen Partnern im Mannheimer „Forum der Religionen“ eröffnen wir den bundesweit ersten interreligiösen Gebetsraum in einer Flüchtlingsunterkunft – Ausdruck unseres guten Miteinanders der Religionen in Mannheim.

4. Heimat und Integration für 50 Familien – ökumenisches Projekt Flüchtlingspaten. Viele Flüchtlinge werden bleiben. Integration braucht gelungene Beispiele. Gemeinsam mit der katholischen Kirche haben wir uns vorgenommen, in unseren zusammen 50 Gemeinden für 50 Familien Patenschaften zu übernehmen: Hilfe bei der Wohnungssuche vor Ort, bei der Einrichtung und Ausstattung, beim Kindergarten, Schul- und Ämtergang, bei Hausaufgaben und Arbeitsplatzsuche, beim Zurechtfinden im Alltag. Wir können als Kirche in die Mitte der Gesellschaft wirken und sind in allen Stadtteilen mit Persönlichkeiten Räumlichkeiten präsent. Dieses Potential wollen wir nutzen und für das Miteinander in unserer Stadt fruchtbar machen.

Von Herzen danke ich allen, die sich bei dieser Aufgabe, die Mitmenschlichkeit und unseren christlichen Auftrag verbindet sowie zum sozialen Frieden beiträgt, engagieren mit ihrem Können, ihrer Zeit und ihrer Empathie.

Dekan Ralph Hartmann

 

 

 

 

Andachtsraum

 

 

Projektleiter Pfarrer Dr. Joachim Vette öffnet die Tür. Hier entsteht in den

nächsten Wochen der interreligiöse Gebetsraum. (dv)

 

 

Forum

 

Gemeinsam und in Frieden

Forum der Religionen initiiert gemeinsamen Gebetsraum für Christen und Muslime in Flüchtlingsunterkunft auf Benjamin Franklin Village

 

Bundesweit dürfte das einmalig sein: In der bedarfsorientierten Landeserstaufnahmestelle (BEA) in Mannheim-Käfertal entsteht derzeit ein Gebetsraum, der von allen Gläubigen genutzt werden kann. Die feierliche Einweihung ist für Januar geplant. Dann sollen dort  täglich muslimische Gebete und eine christliche Andacht stattfinden. Der gemeinsame Gebetsraum steht allen offen. Auch nachts.

 

Religion in dem einen Raum leben und damit Begegnungen fördern. Die Geflüchteten seelsorglich begleiten und ihnen einen Ort der Ruhe geben, um zu beten, um das Erlebte vor Gott zu bringen. Das ist Ziel des Gebetsraums in der Unterkunft auf „Benjamin Franklin Village“ in Mannheim-Käfertal, in der viele tausend Geflüchtete leben. Diese Initiative des Forums der Religionen Mannheim wurde vom zuständigen Regierungspräsidium positiv aufgenommen. Seither bereiten Bundeswehr und das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das als exekutive Verwaltung in der BEA tätig ist, die Räumlichkeiten vor.

 

„Ohne die schon jahrzehntelange und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Religionen hier in Mannheim wäre ein solches Projekt kaum umsetzbar“, sagt Projektleiter Pfarrer Dr. Joachim Vette vom Forum der Religionen. „Neuland ist dieser Gebetsraum auch für uns“, erzählt er, „die Umsetzung erfordert Toleranz von allen Beteiligten.“ Denn der Gebetsraum ist nicht unterteilt, sondern wird in seiner Gänze von der jeweiligen Religion genutzt. Gebete finden daher nicht gleichzeitig statt. An der nach Süd-Osten gerichteten Schmalseite wird an der entsprechend gestalteten Gebetsnische das muslimische Gebet gesprochen. An der gegenüberliegenden westlichen Wand finden Altar und Bibel, Kreuz und Kerzen sowie eine Ikone ihren Platz.

 

Stundengebete in orthodoxer Tradition und islamische Gebete

 

Das christliche Gebet orientiert sich an den Gewohnheiten der hierher geflüchteten Christen, die überwiegend orthodox sind. Halt gegen Ungewissheit durch Rituale, durch Verlässlichkeit. Die Gebete sind in arabischer, französischer und englischer Sprache auf Zettel gedruckt und werden den Gläubigen ausgehändigt. Sie werden zunächst von hauptamtlichen Theologen gelesen.. Die Moscheegemeinden und das Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog unter Leitung von Talat Kamran gestalten und organisieren die täglichen muslimischen Gebete wie auch die Freitagsgebete.

 

Noch eine Baustelle, bald ein Raum der Begegnung

 

Ein langgestreckter rechteckiger Raum mit bodentiefer Fensterfront an einem großen quadratischen Platz. Daneben ein Gebäudetrakt, der einen Seelsorgeraum und Büro beherbergen wird. Abgeschieden am Rande des Unterkunftsgeländes gelegen.

 

Derzeit wird dort fleißig gewerkelt. Die Bundeswehr hat den Platz frei geräumt. Das DRK kümmert sich um die Dämmung der Außenwand, um Heizung und Beleuchtung und vieles mehr. In Kürze wird der Betonpflasterboden mit Laminat bzw. Teppich ausgelegt. Um Teppich und dessen Verlegung kümmert sich Bilal Dönmez, 1. Vorsitzender der Sultan-Selim Moschee. Anschließend werden die muslimische und die christliche Seite gestaltet. Die Einweihung des Gebetsraums ist für Januar 2016 geplant. Er soll außerhalb der Gebetszeiten als Raum der Stille geöffnet bleiben. Gerade auch nachts, wenn bedrückende Erinnerungen an Erlebtes oder Sorgen viele Geflüchtete keinen Schlaf finden lassen.

 

Zuvor wird am 24. Dezember um 19 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, den Evangelische und Katholiken gemeinsam vorbereiten. Die Feier findet im großen Essenszelt statt. Als Zeichen der Verbundenheit backen derzeit Gemeinden, Seelsorgeeinheiten und Schulen Plätzchen, die in Tütchen verpackt am Heiligen Abend an die Gottesdienstgemeinde verteilt werden.

 

 

Info: Im "Forum der Religionen Mannheim" arbeiten seit vielen Jahren Verantwortliche der christlichen Kirchen, der Moscheegemeinden und der jüdischen Gemeinde für ein freundschaftliches Miteinander der Religionen in Mannheim zusammen. Den Mitgliedern ist Abraham als Stammvater gemeinsam. Was sie in ihrem Handeln verbindet, ist der Glaube an den einen Gott und der ständige Auftrag, Frieden und Versöhnung zu stiften.

 

Derzeit sind im Forum der Religionen vertreten: die Jüdische Gemeinde, die Evangelische und die Katholische Kirche, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), die Griechisch-Orthodoxe Gemeinde, die DITIB-Gemeinden-Yavuz-Sultan-Selim Moschee, die Fatih-Moschee, die Bosnisch-Islamische Gemeinde, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Rhein-Neckar, die Christlich-Islamische Gesellschaft, das Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog und das Ökumenische Bildungszentrum sanctclara Mannheim.

 

Sprecher des Forums der Religionen: Ralph Hartmann (Evangelische Kirche), Karl Jung (Katholische Kirche), Talat Kamran (Muslime), Schoschana Maitek-Drzevitzky (Jüdische Gemeinde).

 

 

 

Flüchtlinge brauchen Begleitung

Neu: Koordinatorin und Ansprechpartnerin für ehrenamtliche Mitarbeit

 

Flüchtlinge brauchen Begleitung. Ehrenamtliche, die ihnen helfen wollen, brauchen Informationen und Unterstützung. Eine Koordinatorin bringt beide Anliegen zusammen. Sie ist Ansprechpartnerin, findet passende Einsatzmöglichkeiten, schult und begleitet bei Erstbegegnungen.

 

Der Bedarf an ehrenamtlicher Mithilfe ist groß und vielfältig. Wer mithelfen möchte, kann das punktuell oder auch längerfristig tun. Helfende werden dringend gesucht beispielsweise für die Kinderbetreuung oder Hausaufgabenbetreuung, für Kleiderausgabe oder Freizeitgestaltung, für Dolmetscher-Dienste oder Deutsch-Kurse, für die Begleitung bei Ämtergängen oder bei der Wohnungssuche. Für bereits anerkannte Flüchtlinge werden Ehrenamtliche für eine Tandempartnerschaft gesucht. Denn ehrenamtliche Helfer können den Flüchtlingen Orientierung vor Ort geben und sie dabei unterstützen, sich besser in der für sie oftmals komplizierten neuen Umgebung zurechtzufinden.

 

Ab sofort ist Filiz-Marleen Kuyucu beim Diakonischen Werk Mannheim im Bereich Flüchtlinge für die Koordination von Helfenden und als deren Ansprechpartnerin da. Sie kümmert sich darum, dass Interessierte eine passende Einsatzmöglichkeit finden und organisiert im Rahmen des Projekts „Willkommen in Baden-Württemberg“ Schulungen für Ehrenamtliche. Außerdem begleitet und berät sie Gemeinden, die aktiv werden oder selbst Projekte anbieten wollen.

 

„Die Integration der Flüchtlinge ist eine Aufgabe für jeden von uns“

 

„Menschen fliehen wegen Krieg, Terror und Elend aus ihren Heimatländern. Sie nehmen oftmals große Gefahren auf sich, um anderswo Schutz zu suchen. Es ist wichtig, ihnen beizustehen und sie dabei zu unterstützen, sich zurechtzufinden“, sagt Dekan Ralph Hartmann. „Ich bin froh darüber, wie viele Mannheimerinnen und Mannheimer sich einbringen und konkret etwas tun wollen.“ Denn sie setzen das Bibelwort „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Matthäus 25,31-40) in hilfsbereites Handeln um. Die Integration der Flüchtlinge, ist Hartmann überzeugt, „ist eine Aufgabe für jeden von uns“.

 

Die Ehrenamtskoordinatorin ist immer freitags von 9-12 Uhr telefonisch für Anfragen erreichbar. Kontakt: Filiz-Marleen Kuyucu, Tel. 0157-54955450 freitags von 9-12 Uhr, E-Mail: ehrenamt-fuer-fluechtlinge@diakonie-mannheim.de.

 

Für die Arbeit mit Flüchtlingen fallen viele Sachkosten an, beispielsweise für Anwaltskosten, für Individualhilfen wie Brillen oder Medikamente, für pädagogische Angebote oder Familiennachzug. Auch hier bittet das Diakonische Werk um Unterstützung und Spenden. Spendenkonto: Diakonisches Werk, Stichwort „Flüchtlinge“, Sparkasse Rhein Neckar Nord, IBAN DE58 6705 0505 0030 1502 44, BIC MANSDE66XXX. (dv)

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